• Home   /  
  • Archive by category "1"

Hartmut Von Hentig Bildung Ein Essay Beltz 2004 Silverado

„Bildung. Ein Essay“ ist eine Schrift des deutschen Pädagogen Hartmut von Hentig. Zuerst erschienen 1996 im Hanser Verlag, ist sie als grundlegender Beitrag zur Bildungsdiskussion in Deutschland anerkannt.

Sie verfolgt die Absicht, aus der Frage heraus, was Bildung eigentlich sei, „Maßstäbe“ für Bildung zu formulieren.

Kriterien für Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Verlauf der Arbeit entwickelt von Hentig sechs solcher Bildungskriterien:

Abscheu und Abwehr von Unmenschlichkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Menschlichkeit sei eine zu hohe Forderung. Aber: „Wo Unmenschlichkeit erkannt wird - im eigenen Verhalten, in den Lebensumständen, in den Taten anderer, vor allem der Mächtigen -, ist das Wichtigste in Gang gesetzt: die Unruhe über ihre Ursachen, das Nachdenken über eine mir und dir mögliche Menschlichkeit, ein Stück Verantwortung für die Welt, in der wir leben.“

Die Wahrnehmung von Glück[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Glück und Freude gibt es auch ohne Bildung. Das Kriterium soll aber heißen: „Wo gar kein Glück aufkommt, war keine oder die falsche Bildung; es sagt sodann: Bildung soll Glücksmöglichkeiten eröffnen, Glücksempfänglichkeit, eine Verantwortung für das eigene Glück.“

Die Fähigkeit und der Wille, sich zu verständigen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Forderung nach einem Weltethos gehe zu weit. Genügend Wertgemeinsamkeit gibt es noch nicht auf der Welt. Sie kann nur aus Verständigung in vielen konkreten Fällen entstehen. Bildung soll diese ermöglichen und die Einsicht respektive das Verständnis untereinander fördern und vertiefen.

Ein Bewusstsein von der Geschichtlichkeit der eigenen Existenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wir leben alle in Kulturen, z. T. in Mischkulturen. Diese Kulturen geraten zueinander in Widerspruch.

Das geforderte Bewusstsein sagt mir,
- dass Kulturen lange brauchen, um zu entstehen,
- dass sie das Haus der einzelnen Menschen sind, aber nur Kammern der Menschheit,
- dass sie zerstörbar sind,
- dass ihr Tod schnell eintreten kann und unwiderruflich ist.

Es hilft nicht, Konflikte zwischen Kulturen zu verhindern, sondern nur dazu, sie zu mildern. Dabei wäre der Glaube gefährlich, eine Einwanderungskultur ließe sich in der neuen Umgebung unverändert und lebendig erhalten, ebenso wie der Anspruch, „sie werde im ständigen Austausch mit der Umgebung allmählich in unserer rationalen Verfahrenskultur aufgehen.“

Wachheit für letzte Fragen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es geht dabei um philosophische und religiöse Fragen wie die nach dem Sinn des Lebens, nach Gott, nach der Möglichkeit von Freiheit.

Letzte Fragen im religiösen Sinn sind: „Woher komme ich?“, „Wohin gehe ich?“, „Was ist der Sinn?“.

Diese letzten Fragen können die Frage nach Gott wecken.

Bereitschaft zur Selbstverantwortung und Verantwortung in der res publica (Gemeinwesen)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Satz: ‚Das hätten sie mir beibringen sollen; das hat man mir nicht gesagt!‘ bezeugt, dass die Bildung an diesem Menschen nicht geleistet hat, was sie leisten soll. Der Gebildete nimmt seine Bildung selbst in die Hand.“ Verantwortung heißt allerdings mehr: „Ich schulde meinen Bürgern Rechenschaft nicht für alles, aber für alles, was auch sie betrifft. Und ich bin insofern für mich verantwortlich. Ich kann und darf mich dabei nicht hinter andere verkriechen – Eltern, Lehrer, Vorgesetzte, Mehrheiten, meinen Stand, meine Familie, ja nicht einmal hinter dem geltenden Gesetz.“ Das bedeutet aber zugleich, dass wir alle gemeinsam in unserem Gemeinwesen darauf achten, dass alle Bürger diese Verantwortung wahrnehmen. „Darum ist eine Bildung, die nicht zur Politik führt, mich also nicht zur Wahrnehmung meiner Rolle – oder Verantwortung – im Gemeinwesen angeleitet und befähigt hat, eben keine ‚Bildung‘.

Erhältliche Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hartmut von Hentig: Bildung. Ein Essay. 5. Aktualisierte Auflage. Beltz Verlagsgruppe, Weinheim 2004. ISBN 3407221584.

Buchrezession: Hartmut von HENTIG. Bildung. Ein Essay
Weinheim und Basel: Beltz Taschenbuch, 2004, 210 Seiten

In seinem Werk „Bildung. Ein Essay“ stellt Hartmut von HENTIG wichtige und grundlegende Fragen: Was ist Bildung? Welche Bildung brauchen und wollen wir eigentlich? Was und wie viel soll die Schule lehren? Was sollen Kinder und Jugendliche lernen? Latein oder den Umgang mit dem Computer? Kulturtechniken oder Zukunftsprobleme?

Hartmut von HENTIG lässt in seinem Buch den Begriff „Bildung“ zunächst nackt und bloß erscheinen. Er soll Neugier und Nachdenklichkeit wecken. Im Verlauf des Buches soll der Begriff dann Kleidung bekommen, die passend und vielleicht sogar schmückend sein soll. Dies versucht er in den 5 Abschnitten des Buches darzustellen:

(I) Im ersten Abschnitt stellt er „Geläufige Fragen“ nach Bildungsgegenständen und Bildungsgütern, Bildungsmustern und Bildungsverfahren sowie nach dem leitenden Menschenbild.
(II) Im zweiten Abschnitt, den er „notwenige Klärungen“ nennt, versucht er Bildung in einfache Elemente auseinanderzulegen.
(III) Darauf folgen die „Möglichen Maßstäbe“, an denen sich Bildung beweisen und bewähren soll.
(IV) Im vierten Abschnitt nennt er „Geeignete Anlässe“, Quellen und Mittel einer Bildung.
(V) Der letzte Abschnitt befasst sich mit den „Wünschenswerten Folgerungen“ für die gegenwärtige Schulpraxis.

Seine Argumentationen hat er in 14 Sätze zusammengefasst (S. 9-10), die er erstmals im Vorwort des Buches erwähnt. Diese Argumentationen dienen dem weiteren Verlauf des Buches, weshalb er sie nach und nach wiederholt und dabei näher auf sie eingeht.

Im ersten Abschnitt befasst sich HENTIG mit der Frage: Was bildet den Menschen? Er ist der Meinung, dass alles den Menschen bildet, selbst wenn es langweilig ist oder abschreckt. Der Mensch ist für HENTIG ein plastisches Wesen, das veränderbar und beeinflussbar ist, egal ob diese Formung aufgrund oder gegen seinen Willen passiert.
HENTIG meint bei Bildung muss es sich um das handeln, was den Menschen zu einer Person macht – eine Person, die vor allem prüft, was wir immer schon tun und nur drum für das Gute halten; und die ,was sie als notwendig erkennt, zu tun wagt.

In seinem Buch versucht HENTIG auch darauf einzugehen was für die Schule Bildung bedeutet. Für die Schule ist Bildung Schulbildung. Hier wird sichtbar, wie sich Bildung ändert, wenn sie einer Institution übertragen wird. Mit ändern ist hier nicht schlechter oder besser gemeint, sondern das sie zu etwas ganz anderem wird. Die Schule hat laut HENTIG zunächst versucht den natürlichen Bildungsgang zu simulieren, doch da sie dies für viele unterschiedliche junge Menschen muss, standardisiert sie die Anlässe, Anregungen und Ansprüche und regiert darauf mit den von ihr geeignet scheinenden Mitteln, wie z.B. Prüfungen und Noten (S. 45ff).

Im Bezug auf die Schule erwähnt HENTIG auch Friedrich Herbart, der der Schule eine Disziplinierungsfunktion zuschreibt und Humboldt, der derselben Freiheit zuschreibt. HENTIG meint: „Schule ist heute etwas ganz anderes, gewiß, aber sie hat weder die Disziplinierungsform abgestreift noch zur Humboldtschen Freiheit, individuellen Selbstentfaltung und Erkenntnis des Allgemeinen zurückgefunden. Sie ist im Gegenteil mehr denn je gesellschaftliche Arbeit junger Menschen.“ (S. 50).

Im dritten Kapitel schreibt HENTIG, dass wir dem jungen Menschen Anlässe für Einsicht und Freude (S. 72) schulden, damit sie zu sich bildenden Subjekten werden können. In diesem Kapitel befasst er sich vor allem mit sechs Maßstäben: Abscheu und Abwehr von Unmenschlichkeit; die Wahrnehmung von Glück; die Fähigkeit und den Willen, sich zu verständigen; ein Bewusstsein von der Geschichtlichkeit der eigenen Existenz; Wachheit für letzte Fragen und die Bereitschaft zur Selbstverantwortung und Verantwortung in der res pbulica (S. 51). Diese stellen für ihn seine Bildungskriterien dar.

Im zweiten Teil des Buches befasst HENTIG sich vor allem mit dem Schulkonzept. Dabei nimmt er häufig Bezug auf die Bielefelder Laborschule, dessen Gründer er ist. Er fordert eine Schule, die Lebens- und Erfahrungsraum für Menschen ist.

Hartmut von HENTIG zeigt uns in seinem Buch, dass Bildung nicht immer starr sein muss. Mit seinen zahlreichen Beispielen wird das, was er unter Bildung versteht, auch anschaubar gemacht. Vor allem der Bezug zur Bielefelder Laborschule war sehr gut gewählt, weil man somit auch Einblick in ein Bildungs- und Schulkonzept gewinnen konnte, das in der heutige Gesellschaft nicht Gang und Gebe ist.




<<Bildung  ||  Bildung. Ein Essay>> 

One thought on “Hartmut Von Hentig Bildung Ein Essay Beltz 2004 Silverado

Leave a comment

L'indirizzo email non verrà pubblicato. I campi obbligatori sono contrassegnati *